Mittwoch, 21. Januar 2026

Meine Beziehung zum Papsttum

 


 von Plinio Corrêa de Oliveira

Wie hat unser Herr Jesus Christus das Papsttum eingesetzt? In den Evangelien steht geschrieben, dass unser Herr zu Petrus sagte: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen.“ Dieser Satz enthält die göttliche Verheißung, dass das Papsttum bis zum Ende der Zeiten nicht irren wird. Er enthält auch die Bestätigung der Unfehlbarkeit des Papstes als Oberhaupt der Kirche und der Unfehlbarkeit der Kirche in der Einheit mit dem Papst.

Meine Begeisterung für das Papsttum

Ich erinnere mich, dass ich als Jugendlicher, als mein Glaube von der mir bei der Taufe geschenkten, angeborenen Stufe zur bewussteren und rationaleren Stufe des Erwachsenenalters reifte, viel über diesen Punkt nachdachte, der in mir eine unglaubliche Begeisterung weckte: die Unfehlbarkeit der Kirche und insbesondere der Kirche in der Person des Papstes. Ich war etwa 14 Jahre alt und hatte bereits genug Lebenserfahrung, um die Torheiten zu erkennen, die die Welt bald heimsuchen würden.

Ich hatte eine vage, aber sehr reale Ahnung, wohin die Welt steuerte. Mir war vollkommen bewusst, dass wir auf den Abgrund zusteuerten. Ich wusste auch, dass inmitten des Verfalls der Welt die einzigen Worte der Ordnung – Frieden, Glaube, Weisheit, Moral, Anstand und Reinheit – aus einer einzigen Quelle kamen: dem Lehramt der Heiligen Katholischen Kirche.

Ich dachte: Wie schön, gut und heilig ist es doch, dass unser Herr Jesus Christus einen Mann an die Spitze der Hierarchie gesetzt hat, der mit Hilfe des Heiligen Geistes unfehlbar ist. So dass er, wenn er spricht und sich auf das Charisma der Unfehlbarkeit beruft, nicht irrt. Wir gelangen nicht zur Wahrheit, indem wir die Bischöfe der Welt versammeln, um alles zu diskutieren. Manchmal gelingt es, ausnahmsweise. Aber das letzte Wort hat immer der Papst. Er ist es, der das Schiff Petri lenkt.

Sie können sich meine Begeisterung angesichts dieser Aussicht nicht vorstellen! Ich bin von Natur aus enthusiastisch. Ich bewundere gern. Wenn ich etwas Bewundernswertes finde, sei es groß oder klein, fühle ich mich wohl. Bewunderung ist der Kern meiner Seele. Ich bin zum Bewundern geboren. Ich kann sagen, dass ich im Laufe meines langen Lebens vieles bewundert habe und es so sorgfältig ausgewählt habe, dass Enttäuschungen selten waren. Ich bewundere nicht alles. Ich bin sehr, sehr wählerisch.

Ich kann sagen, dass ich auf dieser Erde nichts so sehr bewundert habe wie die Unfehlbarkeit des Papsttums. Ich glaube, dass das Papsttum als Institution diese Bewunderung verdient. Und ich habe es mit jeder Faser meines Wesens bewundert.

Über das Papsttum hinaus bewundere ich die Muttergotttes. Wenn man von der Muttergottes spricht, versagt einem die Stimme, der Blick schweift gen Himmel. Aber es gibt etwas noch Bewundernswerteres. Die menschliche Sprache vermag nicht die Bewunderung auszudrücken, die ich für die Heilige Eucharistie empfinde, vor der ich mich ehrfürchtig verneige.

Deshalb fühlte sich meine jugendliche Seele verletzt, als mich ein Atheist wegen der angeblich unmoralischen Päpste der Renaissance tadelte. Oder als ich von unappetitlichen Episoden aus dem Leben mancher Päpste hörte. Obwohl ich die historischen Fakten nicht kannte, reagierte ich empört und stritt sie mit aller Kraft ab. Bis ich eines Tages dasselbe von einem Jesuitenpater hörte, einem sehr gebildeten und intelligenten Mann. Es war, als hätte mich jemand in die Seite gestochen. Ich dachte: Gibt die Kirche also solche Dinge über sich selbst zu? Ist sie dann keine makellose Dame? Keine Königin von großer Schönheit ohne Falten oder Makel? Ist die Kirche auch so ein schreckliches Ding? Ich war schockiert.

Nach reiflicher Überlegung entschied ich jedoch, dass dies mein Bild von der Kirche, der Quelle aller Schönheit, nicht trüben durfte. So begann ich, ihre Geschichte und ihr Lehramt sorgfältig zu studieren. Und wie es mir immer mit den Dingen der Heiligen Katholischen Kirche ergangen ist, geschah es auch diesmal. Wenn ich aus irgendeinem Grund etwas in ihrer Lehre fand, dass ich nicht verstand, verharrte ich in einer Haltung gelassener Hoffnung. Da die Kirche nicht irren kann und ich schon, dachte ich, dass das, was ich in diesem Moment nicht verstand, keineswegs ein Makel sein würde, sondern, sobald ich es verstand, ein Schatz an Weisheit sein würde, den es zu lieben gilt. So ging ich weiter, in der Gewissheit, dass die Kirche mich einmal mehr überraschen würde.

So verhielt es sich auch mit dem Papsttum.

Die Grenzen der Unfehlbarkeit

Beim Studium der Enzyklika Pastor Aeternus entdeckte ich, dass unser Herr das Charisma der Unfehlbarkeit begründet hat, wenn der Papst ex cathedra spricht, das heißt, wenn er als Nachfolger des heiligen Petrus ausdrücklich seine Absicht erklärt, eine Glaubenswahrheit zu definieren. Mit anderen Worten: Gemäß der katholischen Lehre selbst gibt es bestimmte Bedingungen für die Ausübung dieses Charismas. Wenn ein Papst diese Bedingungen erfüllt, ist er absolut unfehlbar. Der Heilige Geist bewahrt seinen Verstand vor jedem Irrtum.

Außerhalb dieser Bedingungen: Ist der Papst unfehlbar? Ist beispielsweise eine Enzyklika, in der der Papst dieses Charisma nicht erwähnt, unfehlbar? Wäre eine päpstliche Bulle oder eine Apostolische Konstitution unfehlbar? Kann der Papst sich in einem solchen Dokument irren? Wie lautet die Lehre der Kirche dazu?

Selbst in einem Dokument, das nicht unter die Unfehlbarkeitsgarantie fällt, hat der Papst in der Regel Recht. Nur aus sehr starken, stichhaltigen Gründen, die jemand, der sich eingehend mit dem Thema auseinandergesetzt hat, und mit tiefem katholischem Glauben vorbringen kann, lassen sich Zweifel an einem päpstlichen Dokument aufkommen. Normalerweise muss man davon ausgehen, dass man sich irrt und das Dokument korrekt ist.

Es gibt jedoch einen Umstand, unter dem sich ein Irrtum in einem päpstlichen Dokument leicht erkennen lässt: wenn es im Widerspruch zu den Lehren der Päpste der Vergangenheit steht – mit anderen Worten, wenn es der Tradition widerspricht. Wenn alle Päpste im Laufe der Jahrhunderte dieselbe Wahrheit gelehrt haben, kann ein Papst nicht das Gegenteil lehren. Eine lange Tradition päpstlicher Dokumente des ordentlichen Lehramtes kann keinen Irrtum lehren. Anders gesagt: Kontinuität in der Tradition begründet Unfehlbarkeit.

Man könnte einwenden: Wäre es nicht schöner gewesen, wenn unser Herr ein Papsttum eingesetzt hätte, das stets unfehlbar wäre, selbst in alltäglichen Kleinigkeiten? Es wäre viel sicherer.

Eine erste Antwort lautet: Gott hat das Papsttum nicht so geschaffen, und wir müssen lernen, die Schönheit seiner Schöpfung und ihrer Schöpfungsweise zu bewundern.

Aber es gibt noch eine andere Antwort. Der Papst ist ein Mensch. Er wurde in Erbsünde empfangen. Daher ist er, so weise er auch sein mag, dem Irrtum unterworfen. Der heilige Thomas von Aquin, der zwar nicht Papst, aber der einzige der Kirchenlehrer war und dessen Name in der Kirche unvergleichlich ist, bekräftigte, dass die Jungfrau Maria in Erbsünde empfangen wurde. Jahrhunderte später definierte die Kirche das Gegenteil. Ein Mann kann sich irren, auch wenn er ein großer Heiliger ist.

Ich glaube, es entspricht dem Plan der göttlichen Vorsehung, dass manche Päpste irren, insbesondere wenn sie nicht ex cathedra sprechen, um die Schwäche des Menschen aufzuzeigen. Nur Gott ist stark. Das Charisma der Unfehlbarkeit garantiert, dass, sobald die notwendigen Bedingungen erfüllt sind, unser Herr selbst durch seinen Stellvertreter spricht. Und Gott kann nicht irren. Außerhalb dieser Bedingungen kann aber der Mensch irren. Wenn ich das nicht verstehe, irre ich mich.

Deshalb kann ein Gläubiger, mit gebührendem Respekt, gebührender Ehrfurcht und gebührender Vorsicht, wenn er Grund zur Annahme hat, dass ein Dokument einen Fehler enthält, seine Zweifel äußern und um ein Gespräch mit der Autorität bitten. Das sollte niemanden überraschen.

Kann ein Papst in Irrlehre verfallen?

Es gibt Episoden in der Kirchengeschichte, die dies veranschaulichen. Die Apostelgeschichte berichtet beispielsweise, dass der heilige Petrus den sogenannten „Judaisten“ – also Juden, die zum katholischen Glauben konvertiert waren, aber ihre eigenen Riten und Gebräuche beibehielten – wohlgesinnt war. Der heilige Paulus vertrat die gegenteilige Meinung, da er dies als Gefahr für ihre christliche Glaubensbildung ansah. Er suchte daher das Gespräch mit dem heiligen Petrus und schrieb selbst: „Ich widerstehe ihm ins Gesicht.“ Schließlich akzeptierte der heilige Petrus seine Argumente und änderte seine Meinung. Der Heilige Geist sprach zuerst durch den heiligen Paulus und dann durch den heiligen Petrus. Durch den heiligen Paulus, als er den heiligen Petrus tadelte; durch den heiligen Petrus, als dieser seinen Irrtum eingestand.

Ein anderes Beispiel ist Papst Marcellinus im 4. Jahrhundert, der angesichts des Martyriums unter Diokletian lieber den heidnischen Göttern opferte und ihnen Weihrauch darbrachte. Ein wahrer Glaubensabfall! Wie lässt sich das erklären? Offenbar handelte es sich um eine persönliche Handlung, nicht um eine geistliche Deklaration. Bei dieser Gelegenheit verfiel er der Ketzerei und verließ den wahren Glauben. Als Papst lehrte er jedoch nicht, dass diese Götter wahr seien. Man muss sagen, dass er dies bitter bereute. Von Reue geplagt, weinte er über seine Sünde und bat die Kirche um Vergebung. Dann bekannte er öffentlich seinen Glauben und erlitt den Märtyrertod. Seine Sünde wurde im Blut abgewaschen, und die Kirche verehrt ihn heute als Heiligen. Heiliger Marcellinus, bitte für uns!

Einer der streitbarsten und feurigsten Heiligen war der heilige Hieronymus, Kirchenlehrer. Dennoch behauptet er in einem Dokument, dass der Papst seiner Zeit, Liberius, der Ketzerei verfallen sei. Wäre es Ketzerei zu sagen, dass ein Papst der Ketzerei verfallen könne, wäre er kein Kirchenlehrer.

Laut Augustinus verfiel Papst Zosimus der pelagianischen Häresie. Er verteidigte Pelagius sogar auf einer Synode. Angesichts neuer Dokumente änderte Zosimus seine Position und verurteilte die Häresie schließlich. Ähnlich verhält es sich mit Papst Vigilius, der im 6. Jahrhundert die monophysitische Häresie verteidigte. Historiker verweisen daher auf weitere Beispiele von Päpsten, die aus Schwäche oder Täuschung gelegentlich Häresien unterstützten. Keiner von ihnen gab jedoch eine Definition ex cathedra. Sie irrten als Einzelpersonen, sündigten als Einzelpersonen und wurden als Einzelpersonen vergeben. Ich hoffe, sie sind alle im Himmel, zusammen mit dem hl. Zosimus und dem hl. Marcellinus. So sehen wir, wie schön die Geschichte der Kirche in all ihrer Komplexität ist.

Es gibt ein Buch eines Bekannten von mir zum Thema des Novus Ordo Missae. Es ist ein sehr durchdachtes und gut recherchiertes Werk. Gestützt auf bedeutende Heilige, Theologen und Dokumente des Lehramtes analysiert das Buch die theologische Hypothese, dass ein Papst in Häresie verfallen kann, und untersucht deren Folgen. Es herrscht nahezu Einigkeit darüber, dass ein Papst in Häresie verfallen kann. So erklärt beispielsweise der hl. Robert Bellarmin, ein Vorkämpfer gegen den Protestantismus, eindeutig, dass ein Papst in Häresie verfallen kann. Auch andere bedeutende Theologen wie Torquemada, Cajetan, Báñez, Cano, Gratian und Suárez bestätigen dies. Nicht zu vergessen zeitgenössische Theologen wie Matteucci, Bouix, Billot, Salaverri und andere.

Andere Theologen vertreten die Ansicht, dass ein Papst zwar prinzipiell in Häresie verfallen kann, hoffen aber, dass die göttliche Barmherzigkeit dies verhindern wird. Mit anderen Worten: Sie akzeptieren die Möglichkeit theoretisch, hoffen aber, dass sie sich in der Praxis niemals verwirklichen wird.

Ohne die Debatte darüber zu führen, ob dieser oder jener Papst der Häresie verfallen sein mag, ist diese gesamte theoretische Lehre von großer Bedeutung für das Verständnis unserer Position zur Modernismuskrise.

Wie entstand die Modernismuskrise in der Kirche?

Die Modernismuskrise

Der hl. Pius X., Papst von 1903 bis 1914, veröffentlichte am 8. September 1907 die Enzyklika „Pascendi dominici gregis“. Darin prangerte er eine Strömung pantheistischer Häretiker an, die ihre Lehren heimlich innerhalb der Kirche verbreiten wollten. Diese Häretiker untergruben das katholische Dogma in seinen Grundfesten. Darüber hinaus bildeten sie eine Geheimgesellschaft, die vom Papst selbst verurteilt wurde. Es handelte sich um die Sekte der Modernisten.

Der hl. Pius X. erklärte, die Modernisten seien der schlimmste Feind, dem die Kirche je gegenübergestanden habe, da sie nicht von außen, sondern von innen angriffen, wie ein Gift, das im Blut der Kirche zirkuliere. Er reagierte äußerst entschieden und belegte viele Modernisten, darunter Priester und Bischöfe, mit sehr strengen Strafen. Einige, wie Pater Ernesto Buonaiuti, wurden „excommunicati vitandi“ genannt, was so viel bedeutet wie „zu meiden“. Diese Exkommunikation ist so schwerwiegend, dass selbst die physische Nähe des Häretikers vermieden werden musste.

Von Papst Pius X. verurteilt, tauchte die modernistische Sekte noch tiefer in den Untergrund ab und schmiedete während des Pontifikats von Benedikt XV. weiterhin im Verborgenen Pläne, um dann unter Papst Pius XI. wieder in Erscheinung zu treten und sich unter Pius XII. überall auszubreiten.

Mein erstes Buch, „Zur Verteidigung der katholischen Aktion“, dass ich 1943 verfasste, war eine Anklage gegen die modernistische Verschwörung. Die Ähnlichkeit der damaligen Irrtümer mit denen des Modernismus war so groß, dass ich das Apostolische Schreiben „Notre Charge Apostolique“ von Pius X. als Anhang veröffentlichte. Ich habe stets betont, dass der heutige Progressismus nichts anderes ist als ein wiederauflebender Modernismus, der die Kirche zu jenen Irrtümern hinreißen will, die sie damals dank der Wachsamkeit von Pius X. nicht durchsetzen konnte. Angesichts dieser Bedrohung ergriff Pius XI. einige Maßnahmen. Pius XII. führte dann drastischere Maßnahmen ein. Doch sie reichten nicht aus, um den Irrtum zu stoppen. Ist es respektlos gegenüber diesen Päpsten, zu sagen, dass die von ihnen ergriffenen Maßnahmen nicht ausreichten, um den Irrtum aufzuhalten? Ganz und gar nicht. Das sind die Fakten. Daran besteht kein Zweifel. Auch sie handelten nicht unfehlbar. Tatsache ist, dass sie in der Verwaltung der Macht der Kirche – aus Gründen, für die sie bereits vor Gott Rechenschaft abgelegt haben – nicht die Entschlossenheit an den Tag legten, die die Umstände zu erfordern schienen.

Ich persönlich war der Überzeugung, dass diese Entschlossenheit notwendig gewesen wäre. Hatten sie einen triftigen Grund, es nicht zu nutzen? Vielleicht. Überlassen wir dieses Urteil Gott. Ich kann nur die Fakten darlegen. Sie zeigten eine gewisse Energie, die sich als unzureichend erwies. Und nun befinden wir uns in der schrecklichen Lage, in der wir uns heute befinden.

So durchdrang der Neomodernismus die theologischen Kreise der heutigen Welt derart, dass man die Situation der Kirche heute beobachten kann.

Dass sich die Kirche gegenwärtig in einer schweren Krise befindet, ist nicht nur mein Eindruck. Alle Päpste der Gegenwart haben davon gesprochen. Kardinal Joseph Ratzinger, Präfekt der Glaubenskongregation, beschrieb in seinem berühmten Interview mit dem Schriftsteller Vittorio Messori die Situation der Kirche nach dem Konzil mit folgenden Worten:

„Es ist unbestreitbar, dass die letzten zwanzig Jahre für die katholische Kirche ausgesprochen ungünstig waren. Die Folgen des Konzils scheinen den Erwartungen aller, angefangen bei denen von Papst Johannes XXIII. und später Paul VI., grausam zu widersprechen. (...) Die Päpste und die Konzilsväter erwarteten eine neue katholische Einheit und stießen stattdessen auf einen Dissens, der – um es mit den Worten Pauls VI. zu sagen – von Selbstkritik zur Selbstzerstörung zu führen schien. Sie erwarteten neuen Enthusiasmus, doch stattdessen verfielen sie allzu oft in Langeweile und Mutlosigkeit. Sie erwarteten einen großen Fortschritt, sahen sich aber stattdessen einem fortschreitenden Niedergang gegenüber. (...) Die nachkonziliare Bilanz ist eindeutig negativ. Es muss klar gesagt werden, dass eine wirkliche Reform der Kirche eine unmissverständliche Abkehr von den Irrwegen voraussetzt, die zu unbestreitbar negativen Folgen geführt haben.“

Schauen wir uns also an, wie diese maßgebliche Stimme klar darlegt, dass die nachkonziliare Zeit für die Kirche negativ war und sie in eine tiefe Krise ohne absehbares Ende gestürzt ist.

Diese Diagnose ist so fundiert und durch Fakten belegt, dass ihr weder Respektlosigkeit gegenüber der Kirche noch gegenüber den Päpsten, die sie in den letzten Jahrzehnten geleitet haben, vorgeworfen werden kann. Ich stimme der Meinung Kardinal Ratzingers voll und ganz zu.

Ich bin auch der Ansicht, dass bestimmte Handlungen und Lehren der konziliaren und nachkonziliaren Päpste, die nicht unter das Privileg der Unfehlbarkeit fallen, den Lehren und Beispielen einer langen Reihe vorkonziliarer Päpste von Pius XII. bis zum heiligen Petrus widersprechen. Mit anderen Worten: Wir befinden uns in einer Situation, in der wir feststellen müssen, dass bestimmte neuere Dokumente, die nicht unter das Charisma der Unfehlbarkeit fallen, nicht mit der Tradition übereinstimmen. Dies geschieht aus Pflichtgefühl gegenüber dem Papsttum und der Treue zu ihm. Dem gegenwärtigen Papst, aber allen Päpsten durch die Jahrhunderte hindurch.

Wir sind stolz auf diese Treue, die uns durch die Gnade der allerseligsten Jungfrau Maria zuteilwurde. Wir lieben diese Treue mehr als das Licht unserer Augen, mehr als unser eigenes Leben. Im Namen dieser Treue können wir, in Bezug auf bestimmte gegenwärtige Lehren, ehrfürchtig die Füße dessen küssen, der sie verkündet hat, aus Liebe zum Papsttum, aus Liebe zu dieser langen Reihe römischer Päpste: Sie stimmen nicht mit dem Lehramt der Kirche überein! Dies ist unsere kindliche Überzeugung. Es ist Sache der Autoritäten zu entscheiden, ob wir im Unrecht sind oder nicht.

Dies ist meine Position, dies ist die Position der TFP. Eine loyale und ehrwürdige Position, die heute von vielen Theologen weltweit geteilt wird.

 

 

Aus dem Italienischen von „I miei rapporti col Papato“

Die deutsche Fassung dieses Artikels ist erstmals erschienen in www.p-c-o.blogspot.com

© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Auszüge aus einer Konferenz für Freunde und Unterstützer der brasilianischen TFP, São Paulo, Brasilien, 26. Januar 1985. Entnommen aus der Tonaufnahme, vom Autor nicht überarbeitet. Die Untertitel sind von der Redaktion.

Mittwoch, 14. Januar 2026

Fest des Allerheiligsten Namens Jesu



 Plinio Correa de Oliveira
Tagesheiliger 1. Januar 1965


Heute feiern wir das Fest des Allerheiligsten Namens Jesu. Gemäß dem Introitus der Messe heißt es: „Dass sich im Namen Jesu jedes Knie beugen soll, im Himmel, auf Erden und in der Hölle.“

Warum feiern wir den Allerheiligsten Namen Jesu? Selbstverständlich verdient alles, was sich auf unseren Herrn Jesus Christus bezieht, unsere Ehrerbietung, unsere Verehrung und somit ein Fest.

Doch warum diese besondere Betonung des Namens Jesu? Warum vertrieben große Heilige der Kirche Dämonen mit dem Namen Jesu? Welcher Name ist hier gemeint? Sagen wir nicht auch „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“? Wenn wir etwas sehr Wichtiges tun, zum Beispiel zu Beginn der Messe, wenn der Priester das Kreuzzeichen macht, oder wenn beim Verlesen eines Testaments gesprochen wird: „Im Namen der Heiligen Dreifaltigkeit, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, verfasse ich, [Name], meinen Willen.“

Gemäß der durch die Erbsünde gestörten, tiefgründigen Ordnung der Dinge war die menschliche Sprache fähig, Dinge angemessen auszudrücken und ihnen einen passenden Namen zu geben. Dieser Name war ein Wort, das das Innerste, Wesentlichste, Charakteristischste und Intimste des Wesens definierte, dem der Name gegeben wurde.

So berichtet die Genesis, dass Adam jedem Tier, das vor ihm vorüberzog, einen Namen gab. Diese Namensgebung bedeutete, durch ein Wort – durch eine natürliche, nicht nur konventionelle Beziehung zwischen Wort und Sache – angemessen auszudrücken, was das Wesen, dem der Name gegeben wurde, angemessen zum Ausdruck brachte.

Nehmen wir zum Beispiel den Adler … Wir nennen ihn Adler, aber es besteht kein notwendiger Zusammenhang zwischen dem Wort „Adler“ und dem Wesen des Adlers, dem, was ihn ausmacht. Es ist eine rein konventionelle Sache. In der Sprache Adams jedoch nicht. Zwischen dem Wort „Adler“, seinem Klang, seiner Struktur und der Wirklichkeit des Adlers bestand ein wahrer und tiefgründiger Zusammenhang.

So ist der Allerheiligste Name Jesu auf geheimnisvolle Weise die Definition dessen, was in der anbetungswürdigen Person unseres Herrn Jesus Christus am deutlichsten zum Ausdruck kommt, am besten geeignet ist, sein Wesen zu beschreiben.

In diesem Sinne ist der Name ein Abbild der Person, ein Symbol der Person, und der Name Jesu – von dem das Evangelium übrigens mit großer Sorgfalt spricht – ist ein Symbol Jesu und ein überaus heiliges Symbol, das als solches die Kraft besitzt, uns alle Gnaden zuteilwerden zu lassen und Dämonen zu erschrecken. Und der Name Jesu ist in diesen drei Initialen – IHS, (Jesus Hominum Salvator) Jesus der Menschen Erlöser – zusammengefasst, die auf Dokumenten, bestimmten Papieren und unter dem Kreuz zu finden sind. Das Kreuz und der Name Jesu sind die zwei vollkommenen Symbole.

Die Gegenrevolution ist der Sieg des Namens Jesu.

Hat dies eine besondere Bedeutung für uns? Natürlich. Der Name Jesu, das Wort, das seine Herrlichkeit verkündet, ist die Offenbarung seiner Herrlichkeit. Und wir wollen die Verherrlichung des Namens Jesu, wir wollen die Verherrlichung des Namens Marias. Eines der Banner, die beim Anbruch des Reiches Mariens gehisst werden, wird gewiss ein Banner sein, das den Namen Jesu in seiner ganzen Pracht trägt, und ein anderes, das den Namen Marias in seiner ganzen Pracht trägt.

Was will die Kirche, wenn sie den Namen Jesu verherrlicht? Sie will, dass Jesus Ehre zuteilwird, dass der Name Jesu über allem steht und dass alles ihm untertan ist. Sie wünscht sich eine heilige Ordnung, eine auf dem Glauben gegründete Ordnung, auf dem einzig wahren Glauben, dem katholischen, apostolischen und römischen; sie wünscht sich eine Ordnung, die nichts Weltliches, nichts Demokratisches, nichts Egalitäres an sich hat, und das Fest des Namens Jesu ist eines der vielen Feste der Heiligkeit, der Hierarchie und der christlichen Zivilisation.

Diese Gedanken sollten uns morgen leiten, und wir sollten darum bitten, dass der Name Jesu von aller Herrlichkeit umgeben sei. Das heißt: dass Jesus von allen Menschen erkannt, angebetet und verehrt werde, mit Ehrfurcht vor allem, was ihm entspricht. Möge die Revolution niedergeschlagen und die Gegenrevolution siegen, denn die Gegenrevolution ist der eigentliche Sieg des Namens Jesu.

 

 

 

Aus dem portugiesischen von „O Santíssimo Nome de Jesus“.

Die deutsche Fassung dieses Artikels „Der Allerheilgste Name Jesu“ ist erstmals erschienen in www.p-c-o.blogspot.com

© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

 

Samstag, 10. Januar 2026

Vor 2000 Jahren...


...wurde der Herr des Himmels und der Erde in einer schlichten Krippe geboren

Meditation von Plinio Corrêa de Oliveira

 

Freuden, Reichtümer, Ehren: Was nützen sie dem Menschen,
wenn er seine Seele verliert?

 

Unser göttlicher Erlöser, edler Nachkomme Davids, Schöpfer und Herr des Universums, wählte dennoch, in einem einfachen Stall geboren zu werden. Er gab uns das höchste Beispiel, dass alle Güter dieser Welt nur dann Wert besitzen, wenn sie der Liebe Gottes untergeordnet sind; und dass wir alles tun müssen für das Heil unserer Seele. Sie ist ewig, und um sie zu erlösen, kam unser Herr vor 2000 Jahren auf die Erde.

Plinio Corrêa de Oliveira


Während der Weihnachtsfeiertage war es im Umfeld der TFP üblich, Professor Plinio Corrêa de Oliveira zu bitten, der in seinen beliebten, viermal wöchentlich gehaltenen Vorträgen für die Mitglieder und Mitarbeiter der Organisation, Themen rund um das Heilige Weihnachtsfest zu behandeln.

Im Dezember 1973 erfüllte er großzügig eine Bitte und verfasste zwei Meditationen über die Geburt des Jesuskindes.

In einer davon – die in der Dezemberausgabe 1996 von Catolicismo veröffentlicht wurde – ging der bedeutende katholische Denker ausführlicher auf die Größe und Majestät des Jesuskindes ein. Und wie wir Katholiken, die wir vor einer heiligen Krippe beten, uns das göttliche Kind in einer strahlenden, höfischen Atmosphäre vorstellen können – nicht in einer ärmlichen, wie sie tatsächlich war, sondern in einer prächtigen Krippe, reich wie ein goldener Thron, erleuchtet vom Stern von Bethlehem. Als wäre das göttliche Kind in einem prachtvollen Palast geboren worden, der ihm gebührte, da er von Prinzen aus dem Geschlecht König Davids abstammte.

In dieser mythischen Geburtsszene würde die reinste Jungfrau als die majestätischste Königin – wie sie es wahrhaftig ist – dargestellt, die ihren göttlichen Sohn anbetet, begleitet von ihrem keuschen Gemahl, dem großen Patriarchen Josef, einem Angehörigen des höchsten Adels jener Zeit, und dem strahlenden Hofstaat der Heiligen Drei Könige, Caspar, Melchior und Balthasar, die in kostbare Gewänder gekleidet sind und alle ihre königlichen Insignien tragen.

In jetzigen Artikel bieten wir den Lesern eine weitere Betrachtung an, die Professor Plinio zu demselben Anlass verfasste, jedoch aus einer völlig anderen Perspektive.


*     *     *

In der Heiligen Kirche gibt es verschiedene geistliche Schulen, die alle von ihr gebilligt und zumeist von Heiligen begründet und befolgt werden – deshalb sind sie wunderbar. Jeder sollte derjenigen folgen, nach der sich seine Seele sehnt.

Meine Seele ist zutiefst ignatianisch. Die Methode des hl. Ignatius von Loyola begeistert mich: einfache, klare, unmissverständliche Argumentation, die zu Schlussfolgerungen führt und ohne Umschweife oder Spitzfindigkeiten auskommt. Das begeistert mich.

Doch jeder soll so sein, wie Gott ihn zu seiner Ehre geschaffen hat. Solange es also im Rahmen der Offenbarung und der Theologie bleibt, kann ich mir sogar vorstellen, „mit offenen Segeln“ wahre Überlegungen anzustellen.

Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass eine Meditation logisch sein muss – ohne Logik gibt es keine Meditation.

Meditation nach der Schule des heiligen Ignatius

Die Weihnachtsmeditation, die ich entwickeln werde, besitzt eine sehr hohe Autorität, da sie direkt vom heiligen Ignatius von Loyola stammt. Ich werde versuchen, es etwas abzuwandeln, da er es nüchtern und ohne Schnörkel formuliert. Ich werde es etwas ausschmücken.

Der heilige Ignatius sagt, dass unser Herr Jesus Christus am Weihnachtsfest den Menschen eine Lehre erteilen wollte. Er fügt hinzu, dass die Menschen dieser Welt – also all die selbstsüchtigen Menschen, die nicht für Gott, sondern für sich selbst leben (die überwiegende Mehrheit, besonders in Zeiten des Verfalls, wie es zu Lebzeiten unseres Herrn und auch heute der Fall ist) – nach einem der folgenden drei Ziele streben: Vergnügen, Reichtum und Ehre.

„Vergnügen“

Unter Vergnügen versteht der heilige Ignatius die Freuden, die die Sinne schenken können. Dies sind in erster Linie sinnliche Freuden; dann die Freuden des Geschmacks, des Sehens, des Riechens und des Hörens; schließlich alles, was ein Leben im Luxus an Angenehmem und Genussvollem zu bieten hat.

„Reichtum“

Unter Reichtum versteht er etwas anderes: den bloßen Besitz von Geld. Es ist die Habgier jener, die Geld nicht wegen der damit verbundenen Freuden suchen, sondern aus reiner Gier nach Geld an sich, nach Reichtum an sich. Diese Menschen nutzen ihr Vermögen nicht. Sie leben mitunter ein unscheinbares, eintöniges, banales, vielleicht sogar elendes Leben und haben nichts weiter als die Freude, sich ständig im Besitz einer großen Summe Geldes zu fühlen.

„Ehren“

Schließlich gibt es die Freuden der Ehre. Sie werden weniger von Menschen angestrebt, die nach Geld oder einem angenehmen Leben streben, sondern vielmehr nach der Anerkennung anderer. Sie wollen Gegenstand großer Verehrung, großer Aufmerksamkeit, großer Ehrfurcht sein – was sie suchen, ist Prestige.

Diese Einteilung des heiligen Ignatius ist sehr treffend. Denn letztlich kennt der Egoismus des Menschen einen dieser drei Pole.

Jemand könnte einwenden: „Dr. Plinio, eine solche Einteilung ist zu schematisch. Man kann alle drei Dinge gleichzeitig anstreben: Geld, Vergnügen und Ansehen in höchstem Maße genießen.“

Das stimmt, antworte ich, doch es liegt in der Natur des Menschen, eines dieser Dinge viel mehr zu genießen als die anderen. Nachdem der Mensch sie alle erfahren hat, legt er sich schließlich auf eines fest und macht es zum Sinn seines Lebens.

Der hl. Thomas von Aquin lehrt uns, dass der Mensch eine Einheit besitzt, durch die er neben der ontologischen Einheit (er ist ein Sein) auch eine Einheit des Ziels hat (er will ein Ziel erreichen). Und wenn er nicht nach Gott strebt, sucht er notwendigerweise eines dieser drei Vergnügen als sein höchstes Ziel.

In der weiteren Betrachtung zeigt der Gründer des Jesuitenordens, dass unser Herr Jesus Christus in die Welt kam, um zu beweisen, dass solche Vergnügen (als Ziel) wertlos sind.

Die unendliche Macht des göttlichen Schöpfers des Universums

Der heilige Ignatius schlägt daraufhin eine Weihnachtsmeditation vor, da die Menschen Gott aufgrund eines von drei abgöttischen Zielen vergessen: Geld, Vergnügen oder Ehre.

Welchen Wert haben die Reichtümer dieser Welt? Was lehrt uns unser Herr Jesus Christus in der Krippe?

Gott schuf Himmel und Erde. Er schuf somit auch alle Reichtümer, die es auf Erden gibt. Alles Wunderbare, Schöne, alles, was den Wohlstand eines Menschen begründet, hat er geschaffen. Kein Mensch kann einen Reichtum besitzen, der mit dem Reichtum Gottes vergleichbar ist.

Er schuf nicht nur alle existierenden Reichtümer, sondern besitzt auch die unerschöpfliche Macht, so viele weitere zu erschaffen, wie er will – und dies ohne die geringste Anstrengung. Er ist allmächtig und übt seine Allmacht mit vollkommener Leichtigkeit aus. Wir brauchen nur die Sterne am Himmel zu betrachten, um zu verstehen, wie leicht Gott alles erschafft. Er ist so unendlich reich, dass er alles Existierende und noch viel mehr unerschöpflich mit derselben Leichtigkeit erschaffen konnte, mit der er ein Sandkorn formte.

Ablassen von irdischen Gütern

Und weit mehr als die Fähigkeit, Reichtümer zu erschaffen, ist er reich an seinem Wesen.

Nun, dieser unendlich reiche Gott wollte als armer Mensch auf die Erde kommen. Er wollte von einem Zimmermann als Vater und einer Hausfrau als Mutter geboren werden; er wollte in einem Stall geboren werden, dem ärmlichsten Ort, den man sich vorstellen kann; zur Wärme wünschte er sich nur den Atem einiger Tiere und die Kleidung, die die Muttergottes für ihn anfertigte; als Unterkunft wollte er keine Menschenwohnung, sondern eine Tierunterkunft (denn der Stall war der Ort, an dem die Tiere fraßen).

An einem solchen Ort wurde das Wort Gottes geboren!

Er wollte auf diese Weise zeigen, wie gleichgültig der Mensch gegenüber Reichtum sein sollte im Vergleich zum Dienst an Gott. Und so sollte man vor allem nicht leben, um reich zu sein, nicht um großen Reichtum zu besitzen, sondern um Gott zu dienen, ihn zu lieben, ihn zu preisen und ihm auf dieser Erde zu dienen und ihn dann im Himmel in alle Ewigkeit anzubeten.

Reichtum mehr lieben als Gott: Eine Umkehrung der Werte

Wir sehen um uns herum Menschen, die dem Geld wie besessen nachjagen; die seinen Besitz zum einzigen Mittelpunkt ihres Lebens machen und Gespräche darüber zum angenehmsten, attraktivsten und interessantesten Thema; die ihr ganzes Glück in dem Gefühl suchen, Geld zu besitzen, und in der Illusion, niemals arm, sondern immer reicher zu sein. Solche Menschen sind vollkommene Narren. Denn diese Güter, wie wertvoll sie auch sein mögen, machen nur einen winzigen Bruchteil dessen aus, was im Universum existiert. Und was bedeuten sie Gott anderes als ein wenig Staub und Schlamm?

Stellen wir uns den reichsten Mann der Welt vor, einen Magnaten. Stellen wir uns vor, die Liste seines Besitzes füllt ein Verzeichnis von der Größe eines Telefonbuchs: Immobilien, Geld, Wertpapiere, Kredite, Wertgegenstände usw. Was bedeutet all das im Vergleich zu Gott, unserem Herrn? Nichts, absolut nichts.

Diejenigen, die ausschließlich oder hauptsächlich für Geld leben und dessen Besitz zum einzigen Lebensziel machen, handeln wie wahre Narren, denn sie missachten die Lehre, die unser Herr Jesus Christus ihnen in der Krippe gab. Sie verstehen nicht, dass unser Herr uns dort lehrte, dass es dem Menschen erlaubt ist, Reichtum zu begehren, zu erwerben und zu behalten, solange er ihn nicht zum höchsten Ziel seines Lebens macht. Das höchste Ziel muss die Ehre Gottes, der katholischen Kirche sein; also der Sieg der Gegenrevolution über die Revolution (*). Finanzielle Belange müssen zwangsläufig Nebensache sein, sonst handelt man wie ein wahrer Wahnsinniger, indem man die Werteordnung umkehrt, mehr liebt, was man weniger lieben sollte, und weniger liebt, was man intensiver lieben sollte.

Es ist Wahnsinn, vergänglichen Besitz zum Hauptzweck des Lebens zu machen.

Unser Herr Jesus Christus hätte, wenn er es gewollt hätte, den Engeln befohlen, die herrlichste Seide und die lieblichsten Düfte in die Krippe zu legen; er hätte die schönste Musik erklingen lassen.

Wenn die Engel schon für die Hirten sangen, wie viel mehr Freude hätten sie dann erst für das Jesuskind gesungen! Und keine irdische Musik kann sich auch nur annähernd mit Engelsgesang vergleichen.

Das Jesuskind hätte auch besonders wärmende Kleidung tragen und von Anfang an mit den besten Speisen genährt werden können; kurzum, es hätte vom ersten Augenblick seines irdischen Lebens an mit Freuden erfüllt sein können.

Doch was tat es? Das Gegenteil. Er wollte auf Stroh geboren werden, einem Material, dessen Berührung dem Körper keinerlei Vergnügen bereitet; er wollte in einer Krippe liegen, deren Geruch, so sehr die Muttergottes und der heilige Josef sie auch reinigen mochten, wohl kaum angenehm gewesen wäre; er wollte vor Kälte zittern und wählte die Geburt um Mitternacht in einem Wintermonat; als Musik wünschte es sich nichts als das Muhen der Tiere.

Letztlich wollte er das Gegenteil einer angenehmen Situation. Und so wollte er den Menschen zeigen, wie töricht es ist, sie zum Hauptzweck des Lebens zu machen.

Die Lehre, die er uns lehren wollte, ist daher das Gegenteil des Strebens nach Vergnügungen: Solange es dem Seelenheil dient, solange es zur Ehre Gottes ist, müssen wir uns aller Freuden entsagen und nur nach dem Guten streben, selbst wenn es uns viel Opfer und Verzicht kostet.

Als Prinz geboren, aber in einem Stall

Unser Herr Jesus Christus wollte frei von allem geboren werden, was Eitelkeit mit sich bringen kann. Zwar wurde er als Prinz aus dem königlichen Hause Davids geboren, doch wollte er auch Sohn eines Zimmermanns und einer Mutter sein, die – wie bereits erwähnt – den Haushalt führte. Er wollte zu einer Zeit geboren werden, als das Haus Davids seine politische Macht, sein gesellschaftliches Ansehen und seinen Reichtum verloren hatte; als es daher in der irdischen Ordnung absolut nichts mehr bedeutete.

Und mehr noch: Er wollte als Ausgestoßener außerhalb der Stadt geboren werden, denn niemand dort nahm seine Eltern auf. Sie gingen von Haus zu Haus und baten um Unterkunft, doch man gewährte ihnen keine. Er wurde in einem Stall geboren, um den Menschen zu beweisen, wie töricht jene sind, die den Wunsch nach Wichtigkeit zu einer fixen Idee erheben, anstatt der katholischen Sache zu dienen; die Torheit jener, die nach mehr streben und diese Eitelkeit zum Ziel ihres Lebens machen.

Ein Katholik sollte sich diese Erkenntnis zunutze machen, indem er sie auf andere und auf sich selbst anwendet.

Anwendung auf andere: Wen soll man bewundern?

Wenn ein Katholik beim Anblick eines Menschen, der nicht nach Gottes Gesetz und nicht zu seiner Ehre, sondern einzig und allein zu seinem eigenen Vorteil lebt – sei es ein Freund der Familie, ein Nachbar oder ein Kollege, der aus diesem oder jenem Grund Ansehen genießt, ein luxuriöses Leben führt oder über viel Geld verfügt –, geneigt ist, ihn allein aus diesen Gründen zu bewundern, sollte er denken:

„Nein! Solches Verhalten verurteilt unser Herr im Evangelium. Unser Herr, der König, die ewige Weisheit, lehrte uns das Gegenteil. Er lehrte uns, dass solche Dinge zweitrangig sind und dass diese Menschen, die all ihre Kraft darauf verwenden, unvernünftig handeln und dafür am Jüngsten Tag verurteilt werden. Selig hingegen sind jene, die auf Reichtum, Vergnügen und Ehre verzichtet haben; oder die Reichtum, Vergnügen und Ehre besessen haben, aber jederzeit bereit sind, darauf zu verzichten, sollte es die katholische Sache erfordern. Diese werde ich bewundern – die auf alles verzichten. Ich werde andere verachten und mir keine Bewunderung für jemanden erlauben, der nicht so lebt, wie er leben sollte.

Anwendung auf mich selbst: vollkommene Hingabe

Was suche ich in meinen Beziehungen zu anderen? Suche ich nach Anerkennung für meinen Reichtum? Oder für meinen verschwenderischen Lebensstil? Oder gar für irgendeinen Titel der Überlegenheit, den ich besitze? Dann muss ich schlussfolgern, dass ich wertlos bin. Denn ich sollte nicht danach streben, dass andere mich beachten, sondern dass sie Gott lieben. Ich sollte sie zur Liebe Gottes führen und ihre Aufmerksamkeit nicht auf mich lenken. Indem ich so handle, stehle ich, was Gott zusteht. Und ich sollte mich allein der vollkommenen Hingabe widmen, die meine Seele Gott, unserem Herrn, der Gottesmutter und der Heiligen Katholischen Kirche schuldet.

Schluss der Meditation: Kampf und Gebet

Deshalb müssen wir uns gemäß der Schule des hl. Ignatius – der wahren Schule – diese Gedanken Tag und Nacht vor Augen halten und mit der Kraft eines Unkrautjäters die weltlichen Begierden aus unseren Seelen verbannen, die uns dazu verleiten, Geld, Vergnügen und Ehre anzubeten.

Dies erfordert natürlich viel Gebet, denn ein solches Ziel lässt sich nicht allein durch Willenskraft erreichen. Dieser Gedanke ist dem Menschen oft so schmerzlich, dass es ihm schwerfällt, ihn stets vor Augen zu haben. Und selbst wenn er ihn verinnerlicht hat, fällt es ihm schwer, solchen Dingen zu entsagen. Er muss beten, er braucht die Gnade, er muss sich selbst abtöten, um ihnen entsagen zu können. Wenn er so handelt, wird er Erfolg haben und so Gott gefallen.

 

Anmerkung:

(*) Zusammenfassend bezeichnet Plinio Corrêa de Oliveira in seinem Hauptwerk „Revolution und Gegenrevolution“ die Revolution als den Jahrhunderte alten Prozess, der die Christenheit seit dem Niedergang des Mittelalters – jener Zeit, in der das katholische Gesellschaftsideal seiner Verwirklichung am nächsten kam – zerstört. Die Gegenrevolution versteht er als die organisierte Reaktion, die sich der Revolution entgegenstellt und die Wiederherstellung der Christenheit zum Ziel hat.

 

Aus dem portugiesischen von „Há 2000 anos o Senhor do céu e da terra nascia numa singela manjedoura“.

Die deutsche Fassung dieses Artikels „Vor 2000 Jahren wurde der Herr des Himmels und der Erde in einer schlichten Krippe geboren“ ist erstmals erschienen in
www.p-c-o.blogspot.com

© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Freitag, 2. Januar 2026

Die außergewöhnliche prophetische Bedeutung der Botschaft von Fatima


Bischof Schneiders Konferenz in Fatima

15. Juli 2017 aus ADELANTE LA FE

 

Die unermessliche Weisheit und Barmherzigkeit der göttlichen Vorsehung schenkt
allen Epochen der Menschheits- und der Kirchengeschichte die notwendigen Mittel, um spirituelle Wunden zu heilen und die Menschheit vor großen spirituellen und materiellen Katastrophen zu bewahren. Gott greift in der Regel in den kritischsten Momenten der menschlichen und heiligen Geschichte durch authentische Prophezeiungen ein, die von der Kirche geprüft und angenommen werden. Solche göttlichen Eingriffe haben sich in der gesamten Geschichte der Kirche ereignet und werden bis zum Ende der Zeiten andauern.

Das Lehramt der Kirche bekräftigt im Katechismus der Katholischen Kirche: „Die christliche Heilsordnung, nämlich der neue und nun endgültige Bund wird niemals vorübergehen, und es ist keine neue öffentliche Offenbarung mehr zu erwarten vor der glorreichen Erscheinung unseres Herrn Jesus Christus. … Im Laufe der Jahrhunderte gab es sogenannte „Privatoffenbarungen“, von denen einige von der Kirche anerkannt wurden. Sie gehören jedoch nicht zum Glaubensgut. Sie nicht dazu da, die endgültige Offenbarung Christi zu „vervollkommnen“ oder zu „vervollständigen“, sondern sollen helfen, in einem bestimmten Zeitalter tiefer aus ihr zu leben. Unter der Leitung des Lehramtes der Kirche weiß der Glaubenssinn der Gläubigen (sensus fidelium) zu unterscheiden und wahrzunehmen, was in solchen Offenbarungen ein echter Ruf Christi oder seiner Heiligen an die Kirche ist. Der christliche Glaube kann keine „Offenbarungen“ annehmen, die vorgeben, die Offenbarung, die in Christus vollendet ist, zu übertreffen oder zu berichtigen, wie das bei gewissen nichtchristlichen Religionen und oft auch bei gewissen neueren Sekten der Fall ist, die auf solchen Offenbarungen gründen“ (KKK Nr. 66–67).

Die Marienerscheinungen von Fatima im Jahr 1917 zählen zu den herausragendsten Beispielen prophetischer Gaben und Charismen in der Geschichte der Kirche. Gott sandte 1917 seine Unbefleckte Mutter nach Fatima, und die Gottesmutter verkündete ihre dringenden mütterlichen Warnungen vor den schweren spirituellen Gefahren, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts über der gesamten Menschheit schwebten. Angesichts der beispiellosen Situation von Unglauben, Atheismus und offener Rebellion gegen Gott und seine Gebote in unserer Zeit, haben sich diese Warnungen der Muttergottes als wahrhaft prophetisch erwiesen. Im 20. Jahrhundert war das private und öffentliche Leben von einem Dasein ohne Gott und gegen Gott geprägt, insbesondere unter den atheistischen Freimaurerdiktaturen (beispielsweise der mexikanischen Freimaurerdik- tatur der 1920er Jahre) und Hitlers Nationalsozialismus in Deutschland, Sowjetkommunismus (in den Ländern der Sowjetunion) und maoistischer Kommunismus in China.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde ein Krieg gegen Gott, gegen Christus und seine göttlichen Gebote, beinahe global entfesselt. Dieser Krieg wurde durch gotteslästerliche Angriffe auf die göttliche Schöpfung des Menschen als Mann und Frau entfesselt, mittels der Diktatur der Genderideologie und der öffentlichen Legitimierung jeglicher sexuellen Verderbtheit.

Im 20. Jahrhundert war das kommunistische Russland das mächtigste und weitreichendste Instrument zur Verbreitung des Atheismus und des Krieges gegen Christus und seine Kirche. Es war ein offener Frontalkrieg. Mit der Oktoberrevolution von 1917 begann Satan, das größte Land der Welt und die größte christliche Nation des Ostens zu benutzen, um Christus und seine Kirche offen zu bekämpfen. Am 13. Juli 1917, als die Muttergottes von der drohenden Gefahr sprach, dass Russland seine Irrtümer in der ganzen Welt verbreiten würde, war es unmöglich, sich das wahre Ausmaß dieser Entwicklung vorzustellen. Die apokalyptische Situation der Kirchenverfolgung und der Ausbreitung des Atheismus, die in Russland nur wenige Monate später, im Oktober desselben Jahres, einsetzte, wurde durch die Marienerscheinungen von Fatima deutlich. Diese Erscheinungen bewiesen somit ihren unbestreitbar prophetischen Charakter.

Als wichtigstes Heilmittel gegen den theoretischen und praktischen Atheismus, in dem die Menschheit unserer Zeit versunken ist, empfahl die Muttergottes das Rosenkranzgebet, die Verehrung ihres Unbefleckten Herzens durch die Einhaltung der Rosenkranzgebete an den ersten Samstagen im Monat und die Weihe Russlands an ihr Unbeflecktes Herz – eine Weihe, die vom Papst in Einheit mit dem gesamten Bischofs-kollegium vollzogen werden muss.

Die Missachtung der Gebote Gottes ist ein Zeichen der Gottlosigkeit, die zur ewigen Verdammnis unzähliger Seelen führt. In ihren Botschaften in Fatima wies die Muttergottes darauf hin, dass Sünden gegen die Keuschheit und die Verachtung der Heiligkeit der Ehe die häufigsten Ursachen für die Verdammnis der Seelen seien. Zur seligen Jacinta sagte die Jungfrau: „Die Sünden, die die meisten Seelen in die Hölle führen, sind die des Fleisches, und es werden Moden kommen, die unseren Herrn sehr beleidigen werden. Diejenigen, die Gott dienen, dürfen diesen Moden nicht folgen. Die Kirche kennt keine Moden: Unser Herr ist immer derselbe.“ Darüber hinaus sagte die Muttergottes: „Viele Ehen sind nicht gut; sie gefallen unserem Herrn nicht, noch sind sie von Gott.“ Der heilige Johannes Vianney, Pfarrer von Ars, sagte in seinen Predigten Ähnliches: „Wie wenig die Welt die Reinheit kennt; wie wenig wir sie schätzen; wie wenig Mühe wir uns geben, sie zu bewahren; mit welch geringer Inbrunst wir Gott darum bitten, da wir sie aus eigener Kraft nicht erlangen können.“ Nein, liebe Brüder und Schwestern; diese ruchlosen und hartnäckigen Wüstlinge, die im Morast der Verderbtheit wühlen und kriechen, wissen es nicht. In welchem Zustand werden diese Seelen sein, wenn sie vor Gott erscheinen! Unreinheit! Mein Gott, wie viele Seelen reißt diese Sünde in die Hölle!

Die prophetische Natur der Worte Unserer Lieben Frau ist heute so

deutlich, dass wir bestätigen können, dass selbst im Inneren mancher katholischen Kirchen fleischliche Sünden und Ehebruch praktisch gebilligt werden, indem Geschiedene, die weiterhin sexuelle Beziehungen mit jemand anderem als ihrem rechtmäßigen Ehepartner unterhalten wollen, angeblich aus seelsorgerischen Gründen zur Heiligen Kommunion zugelassen werden. Diese scheinseelsorgerische Praxis wird für die ewige Verdammnis unzähliger Seelen verantwortlich sein, denn sie ermutigt zu fortgesetzter Sünde, beleidigt Gott und verachtet somit sein Gebot. Unsere Liebe Frau sagte zur Seligen Jacinta: „Wenn die Menschen wüssten, was die Ewigkeit ist, würden sie alles tun, um ihr Leben zu ändern. Viele sind verloren, weil sie nicht an den Tod Jesu denken und keine Buße tun.“

Die Muttergottes kam vor allem nach Fatima, um inständig für die Seelen derer zu beten, die der ewigen Verdammnis entgehen sollen. Sie zeigte den Kindern die unaussprechliche und furchtbare Realität der Hölle. Gleichzeitig erklärte sie ihnen, dass der einzige Weg zur Erlösung von der Hölle die Buße ist, und zwar in zweifacher Hinsicht: Bußübungen als Mittel, die Sünde zu beenden und für die eigenen Sünden sowie die Sünden anderer Wiedergutmachung zu leisten, mit dem Ziel, Sünder zur Umkehr zu bewegen. Im dritten Teil des Geheimnisses von Fatima schenkt uns Gott diese ergreifende Vision mit der Einladung zur Buße: „Wir sahen einen Engel mit einem flammenden Schwert in seiner linken Hand und Flammen so gewaltig, dass es schien, als wollten sie die ganze Welt in Brand setzen.“ Doch sie erloschen beim Anblick des Glanzes, der von der rechten Hand der Muttergottes auf ihn ausstrahlte. Und der Engel deutete mit seiner rechten Hand auf die Erde und rief mit lauter Stimme: „Buße, Buße, Buße!“

Es ist unerlässlich, dass die Kirche und die Gläubigen unserer Zeit mit neuem Eifer die von Gott offenbarte Wahrheit über die ewige Verdammnis und die Hölle verkünden. Auf diese Weise werden unsterbliche Seelen gerettet, die sonst für die Ewigkeit verloren wären. Die Existenz der ewigen Hölle ist eine Glaubenswahrheit, die von der Kirche in Konzilien, Glaubensbekenntnissen und lehramtlichen Dokumenten definiert wurde. Unsere Liebe Frau von Fatima hielt dies für so wichtig und pastoral wirksam, dass sie den Kindern eine Vision der Hölle zeigte. Schwester Lucia berichtet: „Die Vision dauerte nur einen Augenblick, dank unserer guten himmlischen Mutter, die uns bei der ersten Erscheinung versprochen hatte, uns in den Himmel zu holen. Sonst wären wir wohl vor Schreck gestorben.“ Unsere Liebe Frau sagte zu den Kindern: „Ihr habt die Hölle gesehen, wohin die Seelen der armen Sünder kommen. Um sie zu retten, möchte Gott die Verehrung meines Unbefleckten Herzens in der Welt verbreiten.“

Schwester Lucia fährt fort: „Jacinta blieb in Gedanken versunken auf dem Felsen sitzen und sagte: ‚Die Muttergottes sagte auch, dass viele Seelen in die Hölle kommen! Und die Hölle endet nie! Und der Himmel auch nicht?‘ ‚Wer in den Himmel kommt, kehrt nie zurück!‘ ‚Und wer in die Hölle kommt, kehrt auch nie zurück?‘ ‚Sie sind ewig, versteht ihr? Sie enden nie.‘ So meditierten wir zum ersten Mal über die Hölle und die Ewigkeit. Was Jacinta am meisten beeindruckte, war der Gedanke an die Ewigkeit.“ (45–46). Kurz vor ihrem Tod bemerkte Jacinta außerdem: „Wenn die Menschen wüssten, was die Ewigkeit ist, würden sie alles daransetzen, ihr Leben zu ändern.“ Unser Herr hat große Freude an Askese und Opfern.

Das Beispiel der heiligen Jacinta, das wir im Folgenden zitieren, sollte jeden Priester und jeden Gläubigen tief bewegen und sie zu konkretem Handeln und Reden anspornen: „Die Vision der Hölle erfüllte sie mit solcher Furcht, dass alle Buße und Abtötung nicht ausreichten, um die Seelen vor der Verdammnis zu bewahren. Oft saß Jacinta nachdenklich auf dem Boden oder einem Stein und rief aus: ‚Hölle, Hölle! Wie leid tun mir die Seelen, die in die Hölle kommen!‘ Sie sagte zu ihrem Bruder: ‚Francisco! Francisco! Betest du mit mir? Wir müssen viel beten, damit die Seelen aus der Hölle befreit werden! So viele kommen dorthin! So viele!‘“ Bei anderen Gelegenheiten fragte sie: „Warum zeigt die Muttergottes den Sündern nicht die Hölle? Wenn sie sie sähen, würden sie nicht sündigen und somit nicht dorthin kommen! Du musst die Muttergottes bitten, sie allen zu zeigen (gemeint waren diejenigen, die sich zur Zeit der Erscheinung in Cova da Iria aufhielten). Du wirst sehen, wie sie sich bekehren.“ Und später fragte sie mich unzufrieden: „Warum hast du der Muttergottes nicht gesagt, sie solle diesen Leuten die Hölle zeigen?“ „Ich hab’s vergessen“, antwortete ich. „Ich habe auch nicht daran gedacht!“, sagte sie sehr traurig. Manchmal fragte sie auch: „Welche Sünden bringen einen in die Hölle?“ „Ich weiß es nicht! Vielleicht nicht sonntags zur Messe gehen, stehlen, Schimpfwörter benutzen oder fluchen.“ „Also, nur für ein einziges Wort kommt man in die Hölle?“ „Weil es eine Sünde ist!“ „Na ja, still sein und zur Messe gehen würde sie nicht so viel kosten! Ich habe so Mitleid mit den Sündern!“ „Wie gern würde ich ihnen die Hölle zeigen!“ Plötzlich packte sie mich und sagte: „Ich komme in den Himmel, aber du bleibst hier. Wenn die Muttergottes es erlaubt, erzähl allen, wie die Hölle ist, damit sie nicht mehr sündigen und verdammt werden.“ Manchmal, nach einer Weile, in Gedanken versunken, sagte sie: „So viele Menschen kommen in die Hölle! Es gibt so viele Menschen in der Hölle!“ Um sie zu beruhigen, sagte ich: „Hab keine Angst! Du kommst in den Himmel!“ „Ja, ich weiß“, sagte sie ruhig, „aber ich wünsche mir, dass all diese Menschen auch in den Himmel kommen!“

Ein besonders wichtiger Aspekt der Botschaft von Fatima ist, dass sie die Kirche und die Menschheit unserer Zeit an die Realität der Sünde und ihre katastrophalen und tödlichen Folgen erinnert. Warum ist Sünde an sich so schwerwiegend und tragisch? Weil sie Gott in seiner unendlichen Majestät und seinem unendlichen und weisen Willen beleidigt. Genau darin liegt der Grund für die unvorstellbare Bosheit der Sünde. Die Muttergottes sagte zu den Kindern in Fatima: „Die Menschen müssen umkehren und um Vergebung ihrer Sünden bitten. (…) Ihr dürft unseren Herrn nicht länger beleidigen, der bereits so oft beleidigt wurde.“ Schwester Lucia schrieb: „Der Teil der letzten Erscheinung, der sich mir am tiefsten ins Herz eingeprägt hat, ist das Gebet, in dem unsere himmlische Mutter uns inständig bittet, den allmächtigen Gott nicht länger zu beleidigen, der bereits so schwer beleidigt wurde.“ Die Muttergottes sagte zu Schwester Lucia: „Unser Herr lässt sich besänftigen. Doch er selbst beklagt bitterlich und schmerzlich die geringe Zahl der Seelen in seiner Gnade, die bereit sind, auf alles zu verzichten, was die Erfüllung seines Gesetzes von ihnen verlangt.“

Ein bekanntes Zitat von Pius XII. lautet: „Die vielleicht größte Sünde der Welt heute ist, dass die Menschen begonnen haben, das Bewusstsein ihrer Sünde zu verlieren.“ (Radioansprache zum Abschluss des Nationalen Katechetenkongresses der Vereinigten Staaten in Boston, 26. Oktober 1946). Eine der größten Anziehungskräfte der Botschaft von Fatima und des bewegenden Beispiels der Seligen Francisco und Jacinta lässt sich mit folgender Frage ausdrücken: „Ich stürze mich kopfüber in die Ewigkeit. Bin ich wirklich bereit, vor dem Richterstuhl Gottes zu erscheinen? Bin ich im Stand der Sünde?“

Da die Sünde, insbesondere Todsünde, das größte geistliche Unglück darstellt, gehört es zu den Hauptaufgaben der Kirche, vor der Gefahr der Sünde zu warnen, ihre wahre Schwere zu verkünden, die Gläubigen durch Gottes Gnade zur echten Buße zu führen und Sünder durch Fürbitte und stellvertretende Sühne vor dem ewigen Tod zu retten. Die Amtsträger der Kirche dürfen die Sünde niemals verharmlosen, niemals zweideutig darüber sprechen, was Sünde ist, und niemals – weder ausdrücklich noch stillschweigend – einen Sünder in seinem sündigen Leben bestärken, wie es im Fall von Geschiedenen und Wiederverheirateten der Fall ist. Eine solche Haltung wäre zutiefst unselig und vergleichbar mit der einer Mutter, die ihrem Kind zweideutig sagt, während sie es einem Abgrund entgegengehen sieht. Es wäre gewiss nicht die Haltung einer Mutter, sondern eher die einer Stiefmutter. Daher verhalten sich jene Priester, die – wie es heutzutage so häufig vorkommt – geschiedenen und wiederverheirateten Katholiken versichern, dass sie weiterhin Ehebruch begehen können, wie Stiefmütter. Der neue, vermeintlich barmherzige pastorale Stil gegenüber geschiedenen und wiederverheirateten Katholiken, der von Kardinal Kasper und seinen Verbündeten im Klerus, selbst innerhalb der Bischofskonferenzen, propagiert wird, ist letztlich eine grausame und patriarchalische Methode im Umgang mit Sündern. Die bewegende Haltung der Seligen Jacinta und Francisco gegenüber Sünde und Sündern entlarvt einen solchen anti-pastoralen Ansatz, der sich gegenwärtig unter dem Deckmantel der Barmherzigkeit ausbreitet.

Die Realität der Sünde erfordert notwendigerweise Buße und Sühne. Dies steht auch im Zusammenhang mit dem Kern der Botschaften, die die Muttergottes in Fatima für unsere Zeit übermittelte. Bereits 1916 waren die Worte des Engels an die Kinder von ähnlicher Natur wie jene, die die Muttergottes später, 1917, sprechen sollte. Er sagte ihnen: „Bringt alles, was ihr könnt, als Opfer für den Herrn dar, zur Sühne für die Sünden, die ihn beleidigen, und als Bitte um die Bekehrung der Sünder. Und vor allem: Nehmt die Opfer, die Gott euch sendet, an und tragt sie in Ergebung.“ Am 13. Juli 1917 sagte die Muttergottes: „Opfert euch für die Sünder auf und sprecht oft, besonders wenn ihr ein Opfer darbringt: ‚O mein Jesus, ich bringe dir dieses Opfer dar aus Liebe zu Dir, zur Bekehrung der Sünder und zur Sühne für die Sünden gegen das Unbefleckte Herz Mariens.‘“

Das Beispiel der Kinder von Fatima sollte uns bewegen und uns anspornen, den Geist der Sühne und Wiedergutmachung für Sünden zu pflegen. Die Kinder verdursteten und konnten keinen Tropfen Wasser finden. Anstatt zu klagen, schien die siebenjährige Jacinta zufrieden. „Wie wunderbar“, sagte sie, „ich habe Durst, aber ich opfere dies für die Bekehrung der Sünder.“ Lucia, die Älteste der drei, wusste, dass sie auf ihre Cousins aufpassen musste, und ging zu einem nahegelegenen Haus, um Wasser zu holen. Als sie zurückkam, gab sie es zuerst Francisco. „Ich will nicht trinken“, sagte der neunjährige Junge, „ich will für die Sünder leiden.“ „Trink du, Jacinta.“ „Ich will mich auch opfern.“ Da goss Lucia das Wasser in einen ausgehöhlten Stein, damit die Schafe daraus trinken konnten, und kehrte mit dem leeren Krug ins Haus zurück. Das rhythmische Zirpen von Fröschen, Grillen und anderen Insekten dröhnte ohrenbetäubend in Jacintas Ohren. Mit dem Kopf in den Händen rief sie verzweifelt: „Mein Kopf tut so weh! Sag den Grillen und Fröschen, sie sollen still sein!“ „Willst du nicht auch für die Sünder leiden?“, fragte Francisco sie. „Ja, natürlich, lass sie singen.“ „Lucia“, fuhr Jacinta fort, „die Muttergottes hat gesagt, dass ihr Unbeflecktes Herz deine Zuflucht und der Weg zu Gott sein wird. Macht dich das nicht glücklich? Ich liebe ihr Herz sehr.“ Im August 1917 sagte die Muttergottes zu den Kindern: „Betet viel und bringt Opfer für die Sünder, denn viele Seelen kommen in die Hölle, weil sich niemand für sie opfert.“

Später erklärte Schwester Lucia am Beispiel von Francisco und Jacinta: „Viele Menschen denken, Buße bedeute große Entbehrungen, und sie glauben, nicht die Kraft zu großen Opfern zu haben. Deshalb lassen sie sich entmutigen und verharren in einem Leben der Lauheit und Sünde.“ Schwester Lucia sagte weiter, der Herr habe ihr erklärt: „Das Opfer, das jeder Mensch bringen muss, ist, seine Pflichten im Leben zu erfüllen und mein Gesetz zu befolgen. Das ist die Buße, die ich jetzt will und verlange.“

Es ist unmöglich, die Erscheinungen und Botschaften Unserer Lieben Frau von Fatima wirklich zu verstehen, ohne die Engelserscheinungen vor den drei Kindern im Jahr 1916 zu berücksichtigen. Beide Erscheinungen sind untrennbar miteinander verbunden. Die Worte des Engels hatten bereits den Weg für die zentrale Botschaft Unserer Lieben Frau von Fatima bereitet: „Bringt alles, was ihr könnt, als Opfer dar und opfert es Gott zur Sühne für die Sünden, die ihn beleidigen, und als Bitte um die Bekehrung der Sünder.“ Der wichtigste Aspekt der Engelserscheinungen ist jedoch seine Botschaft über das eucharistische Geheimnis des Leibes und Blutes Christi. Im Jahr 1916 hatte der Engel gesagt, dass Christus in diesem Geheimnis zutiefst erzürnt ist. In der Kirche jener Zeit hätte sich kaum jemand die schrecklichen Gräueltaten vorstellen können, die in solch entsetzlicher und weitverbreiteter Weise gegen Christus im Sakrament der Eucharistie verübt werden würden, sogar innerhalb der Kirche selbst, wie es heute geschieht, insbesondere durch die Handkommunion und die wahllose Zulassung unbußfertiger Sünder und sogar Nichtkatholiken zum Sakrament. Nie zuvor in der Geschichte war das Sakrament der Eucharistie Gegenstand solch ungeheurer Sakrilege durch Klerus und Gläubige wie in unserer Zeit. Einmal mehr offenbaren die Erscheinungen von Fatima auf greifbare Weise ihren prophetischen Charakter.

Die Kirche unserer Zeit kann aus der prophetischen Dimension der Erscheinungen von Fatima die tiefe und untrennbare Verbindung zwischen der Verehrung des Allerheiligsten Sakraments und der Verehrung der Gottesmutter, insbesondere ihres Unbefleckten Herzens, lernen. Die Verbreitung der Verehrung des Unbefleckten Herzens Mariens muss mit einer echten Erneuerung des eucharistischen Gottesdienstes einhergehen, insbesondere mit der Wiederherstellung der äußeren Feier der Heiligen Messe in Heiligkeit und Ehrfurcht, vor allem im Hinblick auf Ritus und Disziplin bei der Spendung der Heiligen Kommunion. Nur so kann die Herrschaft und der Triumph des Unbefleckten Herzens Mariens Wirklichkeit werden, wenn die Herrschaft Christi, des eucharistischen Königs, in ihrer ganzen Pracht in der gesamten katholischen Welt wiederhergestellt ist. Die Herrschaft des Unbefleckten Herzens ist ihrem Wesen nach eucharistisch, und dies ist unerlässlich für eine Zeit wahren Friedens in der Welt.

Einer der größten Verehrer Unserer Lieben Frau von Fatima und einer der eifrigsten Förderer ihrer Verehrung war der mutige brasilianische Laie Dr. Plinio Correia de Oliveira. 1944 erklärte er tiefgründig und scharfsinnig die anhaltende Bedeutung der Marienerscheinungen von


Plinio Correa de Oliveira (L)
trägt zusammen mit Bischof
Meyer die Pilgerstatue in
São Paulo

Fatima, die auch für unsere heutige Zeit relevant ist: „Die Technokraten – jene, die heute zusammen mit den Bankern die Welt beherrschen – haben sich zusammengetan und sich gegen den Herrn verbündet. Vgl. Apg 4,26. Sie schlossen einen Frieden ohne Christus, einen Frieden gegen Christus. Die Welt wird noch tiefer in die Sünde versinken und die Botschaft der Muttergottes ablehnen. In Fatima geschahen Wunder in Hülle und Fülle. Sie waren für alle zugänglich; Ärzte jeder Herkunft und Religion konnten sie untersuchen. Es gab unzählige Bekehrungen. Und doch schenkte niemand Fatima Beachtung. Manche zweifelten, ohne den Fall zu studieren. Andere leugneten ihn, ohne ihn zu prüfen. Wieder andere glaubten, aber es fehlte ihnen der Mut, es auszusprechen. Sie gehorchten der Muttergottes nicht. Die Stimme von Fatima spricht auch heute noch zu uns.“ Lasst uns unsere Herzen nicht verhärten, denn nur indem wir auf ihre Botschaft hören, können wir dem Gericht der Geschichte entgehen.“ (O Legionário, São Paulo, 14. Mai 1944).

Schwester Lucia glaubte, dass die Endzeit nahe sei, und zwar aus folgenden drei Gründen, wie sie in einem Interview mit Pater Agustín Fuentes am 26. Dezember 1957 erklärte. Ihre Worte sind bemerkenswert: „Erstens sagte mir die Muttergottes, dass der Teufel einen Kampf gegen die Jungfrau Maria führt, einen entscheidenden Kampf. Es ist die letzte Schlacht, in der eine Seite triumphieren und die andere unterliegen wird. Von nun an stehen wir entweder auf Gottes Seite oder auf der Seite des Teufels. Es gibt keinen Mittelweg. Zweitens sagte sie mir und meinen Cousinen, dass Gott der Welt die letzten Heilmittel schenkt: den Heiligen Rosenkranz und die Verehrung des Unbefleckten Herzens Mariens. Und da dies die letzten Heilmittel sind, bedeutet das, dass es keine anderen mehr geben wird.“ Und der dritte Grund ist, dass Gott in seinen Plänen der göttlichen Vorsehung, wenn er die Welt bestrafen will, stets alle anderen Mittel ausschöpft. Und wenn er sieht, dass die Welt keinerlei Beachtung schenkt, dann bietet er uns, wie wir in unserer unvollkommenen Ausdrucksweise sagen, mit einer gewissen Furcht das letzte Mittel der Erlösung an: Seine selige Mutter. Wenn wir dieses letzte Mittel verachten und ablehnen, wird uns der Himmel nicht mehr vergeben, denn wir haben eine Sünde begangen, die das Evangelium als Sünde gegen den Heiligen Geist bezeichnet.

Diese Sünde besteht darin, das uns anvertraute Heil wissentlich und willentlich abzulehnen. Da unser Herr ein so gütiger Sohn ist, wird er nicht zulassen, dass wir seine heiligste Mutter beleidigen und verachten. Jahrhundertelang hat uns unser Herr durch erschütternde Beispiele gezeigt, dass er die Ehre seiner heiligsten Mutter stets verteidigt hat. Gebet und Opfer sind die beiden Mittel zum Heil der Welt. Und was den Heiligen Rosenkranz betrifft, Vater, so hat die Jungfrau Maria in diesen Zeiten, in denen wir leben, dem Rosenkranzgebet neue Kraft verliehen. So sehr, dass es im geistlichen Leben eines jeden von uns und unserer Familien kein Problem gibt, sei es in unseren Familien in der Welt, in Ordensgemeinschaften oder gar unter Völkern und Nationen. Ich wiederhole: Es gibt kein Problem, wie schwierig es auch sein mag, das in unserer Zeit nicht durch das Gebet des Heiligen Rosenkranzes gelöst werden kann. Mit dem Heiligen Rosenkranz werden wir gerettet, wir werden geheiligt, wir werden unseren Herrn trösten und wir werden das Heil unzähliger Seelen erlangen. Schließlich gibt es die Verehrung des Unbefleckten Herzens Mariens, unserer Heiligen Mutter, die als Sitz der Barmherzigkeit, Güte und Vergebung und als sicheres Tor zum Himmel gilt.

Möge die Kirche unserer Zeit auf das hören, was der Geist der Weissagung (vgl. Offb 2,11) durch den Engel von Fatima, durch das heldenhafte Beispiel des seligen Franziskus und der seligen Jacinta und vor allem durch die Worte Unserer Lieben Frau, der Mutter Gottes, unserer Mutter und der geistlichen Mutter der ganzen Menschheit, verkündet. Die Wirklichkeit von Fatima besteht darin, die Kirche unserer Zeit darauf vorzubereiten, den katholischen Glauben furchtlos zu bekennen, selbst bis zum Martyrium, wie wir im dritten Teil des Geheimnisses von Fatima sehen können. Dennoch bleibt Fatima ein wahres prophetisches Zeichen der Hoffnung, denn Unsere Liebe Frau verhieß eine Zeit des Friedens und den Triumph ihres Unbefleckten Herzens. Die gesamte prophetische Bedeutung der Botschaft von Fatima umfasst die Erscheinungen des Engels, die Worte und das heldenhafte Beispiel der drei Hirtenkinder und vor allem die mütterlichen Ermahnungen der Muttergottes. In dem Gebet, mit dem Seine Heiligkeit Johannes Paul II. am 24. März 1984 die Welt dem Unbefleckten Herzen Mariens weihte, übergab er der Kirche und der Menschheit unserer Zeit die folgende innige Bitte, die die wichtigsten Punkte der prophetischen Bedeutung der Botschaft von Fatima zusammenfasst: „Unbeflecktes Herz! Hilf uns, das Böse zu besiegen, das uns auflauert, das so leicht in den Herzen der Menschen von heute Wurzeln schlägt und dessen unermessliche Auswirkungen bereits auf unserer modernen Welt lasten. Erlöse uns von der Neigung, Gottes Gebote mit Füßen zu treten. Erlöse uns von den Versuchen, die Wahrheit Gottes in unseren Herzen zu ersticken. Erlöse uns vom Verlust des Bewusstseins für Gut und Böse.“ Von Sünden gegen den Heiligen Geist erlöse uns, o Mutter. Hilf uns mit der Kraft des Heiligen Geistes, alle Sünde zu überwinden: die Sünden des Einzelnen und die Sünden der Welt, die Sünde in all ihren Erscheinungsformen. Lass die unendliche Heilskraft der Erlösung – die Kraft der barmherzigen Liebe – aufs Neue in der Weltgeschichte wirken. Möge diese Kraft dem Bösen Einhalt gebieten. Möge sie die Gewissen verwandeln. Möge dein Unbeflecktes Herz allen das Licht der Hoffnung schenken.

 

+ Athanasius Schneider, Weihbischof der Erzdiözese St. Maria von Astana


Aus dem Spanischen übersetzt . 

Diese deutsche Fassung erschien erstmals in diesem Blog. Wiedergabe mit Angabe der Quelle
Quelle